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World Cinema Fund
Der World Cinema Fund (WCF), im Oktober 2004 als Initiativprojekt der Kulturstiftung des Bundes und der Berlinale gegründet, hat sich umgehend als eine der führenden Institutionen im Bereich der internationalen Filmförderung anspruchsvoller Produktionen etabliert.
Der Fund unterstützt die Kooperationsprojekte deutscher Filmproduzenten mit nicht-europäischen Filmemachern und Produzenten und fördert Filme, die ohne den Fund nicht entstehen könnten: Filme, die mit einer ungewöhnlichen Ästhetik überraschen, die starke Geschichten erzählen und ein authentisches Bild ihrer kulturellen Herkunft vermitteln. Zielregionen des WCF sind Lateinamerika, Afrika, der Nahe und Mittlere Osten, Zentralasien sowie ab August 2007 auch Südostasien und der Kaukasus.
Der WCF hat seit seiner Gründung Produktions- bzw. Verleihförderung an insgesamt 88 Projekte unter 1.538 Einreichungen aus Afrika, Lateinamerika, dem Nahen/Mittleren Osten, Zentral- und Südostasien und dem Kaukasus vergeben. Alle bisher produzierten WCF-Filme liefen in den Kinos und/oder in den Programmen renommierter internationaler Filmfestivals. Eine Förderung durch den WCF gilt in der Filmbranche heute als "Gütesiegel" für künstlerisch anspruchsvolles und gesellschaftlich ambitioniertes Autorenkino. Zahlreiche bis heute realisierte Filme des WCF erhielten Auszeichnungen der wichtigsten internationalen Filmfestivals und herausragende Filmpreise.
Beispiele für geförderte Filme (Produktionsförderung) und Auszeichnungen:
Hamaca Paraguaya, Regie: Paz Encina (Paraguay 2006), dt. Ko-Produktion: Black Forest Films, Berlin, Spielfilm
In einem abgelegenen Ort Paraguays sitzt ein alterndes Bauernehepaar in der lastenden Hitze und wartet auf die Rückkehr ihres Sohnes aus dem Chaco Krieg. Candida und Ramon warten auch darauf, dass es endlich regnet, dass die Hitze ein Ende hat, dass der Wind kommt, sie warten auf den Wetterumschwung, der schon so lange angekündigt wird. Sie warten darauf, dass der Hund aufhört zu bellen und sie warten auf bessere Zeiten. Aber die Hitze bleibt, der Hund bellt weiter, es regnet nicht und der Wind kommt auch nicht. Gefangen in einem ewig dauernden Moment zwischen einem "Vorher" und einem "Nachher" gehen die beiden jedoch ganz unterschiedlich mit diesem Warten um: Ramon ist optimistisch, Candida glaubt, dass ihr Sohn längst tot ist.
Preise: Winner of FIPRESCI Award, Un Certain Regard, Cannes International Film Festival (2006); Winner of Critics Award, São Paulo International Film Festival (2006); Special Grand Jury Mention, Miami International Film Festival (2007)
Paradise Now , Regie: Hany Abu-Assad (Palästina 2005), dt. Ko-Produktion: Razor Film, Spielfilm
Im Mittelpunkt stehen zwei junge palästinensische Männer: Khaled und Said sind seit ihrer Kindheit gute Freunde. Nun sind sie dazu bestimmt worden, sich als Selbstmordattentäter in Tel Aviv in die Luft zu sprengen. Die voraussichtlich letzte Nacht ihres Lebens dürfen sie noch einmal im Kreise ihrer Familien verbringen. Selbstverständlich aber muss ihr Vorhaben streng geheim bleiben, so dass ihnen ein wirklicher Abschied von ihren Angehörigen verwehrt ist. Am nächsten Morgen werden sie an die Grenze gebracht. Die Bomben sind unsichtbar an ihren Körpern befestigt. Doch dann verläuft die Operation nicht so, wie sie geplant war: Die beiden Freunde verlieren sich aus den Augen. Voneinander getrennt und ganz auf sich allein gestellt, müssen sie ihrem Schicksal entgegentreten und für ihre Überzeugungen einstehen.
Preise (Auswahl): Winner of Golden Globe - Best Foreign Language Film (2006); Winner of Independent Spirit Award - Best Foreign Film, Santa Monica (2006); Winner of Vancouver Film Cirtics Circle Award - Best Foreign Film (2006)
Silent Light (Stellet Licht), Regie: Carlos Reygadas (Mexico 2007), dt. Ko-Produktion: The Match Factory, Köln, Spielfilm
Stilles Licht spielt in einer Gemeinde der mexikanischen Mennoniten, die im Norden des Landes leben und immer noch Plattdeutsch sprechen. Gegen die Gesetzte Gottes und der Tradition verliebt sich der verheiratete Johan in eine andere Frau. In einer poetischen Geschichte schildert der Regisseur die unbändige Kraft der Liebe.
Preise (Auswahl): Winner of the Jury Prize, Cannes International Film Festival (2007); Best Film, Best Director, International Critic Award, Best Photography, Lima Latino American Film Festival (2007); Winner of FIPRESCI Award, Rio de Janeiro International Film Festival (2007); Winner of the Golden Hugo, Chicago International Film Festival (2007); Nominated for an Academy Award for the Best Foreign Language Film (2007)
Kontakt:
Projektmanagement
Sonja Heinen
Vincenzo Bugno
Office Management
Isona Admettla
World Cinema Fund
Berlin International Film Festival
Potsdamer Str. 5
10785 Berlin
Tel.: +49 (0)30 2592 0516
Fax: +49 (0)30 2592 0519
www.berlinale.de
Weiterführende Informationen
Oscar-Nominierungen und Goldene Palme für WCF-Filme
Im Jahr 2010 feierte der World Cinema Fund große internationale Erfolge. Der Gewinner des Goldenen Bären 2009, "La Teta Asustada" (Eine Perle Ewigkeit) von Claudia Llosa aus Peru, und "Ajami" von Yaron Shani und Scandar Copti (Israel) – beides Förderungen des World Cinema Fund – erhielten Oscar-Nominierungen in der Kategorie "Bester fremdsprachiger Film". Im Mai 2010 gewann der WCF-Film „Uncle Boonmee“ des thailändischen Regisseurs Apichatpong Weerasethakul die Goldene Palme in Cannes.
Goldener Bär für La teta asustada
La teta ausustada - der erste peruanische Beitrag, der je auf der Berlinale gezeigt wurde - erhielt für die ausgezeichnete Verbindung von politischem Statement und poetischer Form den Goldenen Bären 2009. Der Film spielt im heutigen Peru und erzählt von den Traumata, die die Guerilla-Organisation "Leuchtender Pfad" in Peru angerichtet hat. Psychische Folgeschäden davon schwären heute wie eine Volkskrankheit, von der es heißt, der Schmerz sei durch die Muttermilch, die "Milch des Leids" weitergegeben worden. Kinostart in Deutschland war der 5. November 2009.
WCF-geförderte Filme auf DVD
Auf der Berlinale 2010 stellte der World Cinema Fund seine DVD-Edition "The First Collection" vor. Sie umfasst fünf geförderte Produktionen: Saratan (Kirgisien), Faro (Mali), El Custodio (Argentinien), Hamaca Paraguya (Paraguay) und Stellet Licht (Mexiko). Die DVD-Edition wird durch etwa 150 Goethe-Institute weltweit präsentiert und kann in Deutschland exklusiv von Landesbildstellen beim World Cinema Fund angefordert werden.